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Neunundsiebzig Jahre Stadtklimatologie in Stuttgart (2017)



Entwicklung der Abteilung Stadtklimatologie im Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart


Messungen am Charlottenplatz
Das Arbeitsgebiet Stadtklimatologie muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass es sich dabei um ein in Stuttgart traditionsreiches Tätigkeitsfeld handelt, dessen Wurzeln im Jahr 2013 nun 75 Jahre zurückreichen. Im Jahre 1938 nämlich beschloss der Gemeinderat die Anstellung eines Meteorologen, um entsprechende Untersuchungen über die klimatischen Verhältnisse Stuttgarts vornehmen zu lassen und ihre Beziehungen zum Städtebau aufzuzeigen. Bereits damals wurde die Klimahygiene im Städtebau als Mittel zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit der Stadtbewohner anerkannt.


Luftmesswagen
Die Untersuchungen der damals noch sehr kleinen "Klimatologischen Abteilung" des Chemischen Untersuchungsamtes umfassten in diesem Zusammenhang Klima-Parameter von fünf Messstationen, Staubmessungen sowie Messungen der Sonnenstrahlung, um Aufschluss über die Absorption, insbesondere der UV-Strahlung, durch Staubdunst zu erhalten. Nach kriegsbedingten Unterbrechungen der Arbeit und Zerstörung von Unterlagen und Messgeräten ergab sich mit den Untersuchungen für den Generalbebauungsplan ein wichtiger Neuanfang. Dieser Generalbebauungsplan verfügte über einen für den Wiederaufbau Stuttgarts wichtigen Abschnitt zur Klimaplanung, in dem es u.a. um die städtebaulich bedingten Einflüsse auf das Lokalklima, die Möglichkeiten der Frischluftzufuhr sowie um Trassierungs- und Standortfragen ging. Nach einer vorübergehenden Aufhebung des Arbeitsgebietes zwischen den Jahren 1949 und 1951 ergab sich in der Folgezeit eine ständige Weiterentwicklung, die verstärkt Aufgaben des Immissionsschutzes und damit auch die Lärmbekämpfung umfasste.

1975 wurde der erste auch heutigen Maßstäben gerecht werdende Immissions-Messbericht über Kohlenmonoxidmessungen des Jahres 1974 am Charlottenplatz erstellt, wobei erstmals die kraftfahrzeugbedingte Luftbelastung im Mittelpunkt stand.

Lange vor Inbetriebnahme des vom Land aufgebauten Luftüberwachungsnetztes hat die Abt. Stadtklimatologie Vielkomponenten-Luftmessungen an den Standorten Marienplatz (1977) und Stuttgart-Ost (1979) durchgeführt. Nach Beschaffung und Ausstattung eines Luftmesswagens konnten ab 1982 systematische, flächendeckende Rastermessfahrten vorgenommen werden.


Schriftenreihe des AfU
Eine die Gesamtheit der Stuttgarter Straßen umfassende Verkehrslärmkartierung konnte 1983 vorgelegt werden.

Es entsprach einer Tradition der Abt. Stadtklimatologie, dass die Ergebnisse von Messkampagnen in einer Schriftenreihe veröffentlicht wurden, die bis zur Eingliederung ins neu gegründet Amt für Umweltschutz (1988) insgesamt 9 Broschüren umfasste. Die neue Untersuchungsmethode der Infrarot-Thermographie ermöglichte "Daten und Aussagen zum Stadtklima von Stuttgart", die 1978 in den "Beiträgen zur Stadtentwicklung" veröffentlicht wurden und eine wichtige Beratungsgrundlage für den seinerzeit in Aufstellung begriffenen Flächennutzungsplan 1990 darstellten.


Klimaatlas 1992
Mit der Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes von 1990 ergaben sich neue administrative Rahmenbedingungen: § 47 a BImSchG verpflichtet die Gemeinden zur Lärmminderungsplanung. § 40 (2) BImschG eröffnet in Verbindung mit der 23. BImSchV Prüfungsmöglichkeiten für verkehrsplanerische, verkehrslenkende oder verkehrsbeschränkende Maßnahmen. Beide Entwicklungen forcierten die Durchführung ambulanter Messprogramme, für die ein neuer Luft-Messwagen sowie ein kombinierter Lärm-und Klima-Messwagen beschafft und ausgestattet wurden. Zu erwähnen ist hier vor allem auch die Einbeziehung der Benzol-Belastung bei Straßenmessprogrammen.

Die Vorschriften der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV) sowie die seit 1992 eingeführten Merkblätter für Luftverunreinigungen an Straßen (MLuS-92) führten zur verstärkten Entwicklung und Anwendung numerischer Untersuchungsmethoden für Fragen der Immissionsprognose. Auch für den Bereich der Klimatologie kann gesagt werden, dass der zwischenzeitliche Auf- und Ausbau einer leistungsfähigen EDV zum wichtigsten Standbein der Abteilung Stadtklimatologie geworden ist. Ausdruck dessen ist die Entwicklung einer interaktiven CD-ROM mit Daten, Informationen und Berechnungsmöglichkeiten, die aus Anlass der für das Großprojekt Stuttgart 21 durchgeführten klimatischen und lufthygienischen Untersuchungen unter dem programmatischen Titel "Stadtklima 21" von der Abteilung herausgebracht wurde.


Tempo-60-Versuch
Die auf mathematisch-physikalischen Modellen aufbauenden Immissionsprognosen erlangen insbesondere im Zusammenhang mit einer verstärkten Berücksichtigung der Kfz-Abgasbelastung in der Bauleitplanung Bedeutung, was im Maßnahmenteil des für Stuttgart 1990 vom Land aufgestellten Luftreinhalteplans gefordert wird. Im Rahmen der bauleitplanerischen Maßnahmen des Luftreinhalteplans kann die Einbeziehung der Stuttgarter Praxis der Verbrennungsverbote bzw. der Satzung über die beschränkte Verwendung luftverunreinigender Brennstoffe als Erfolg dieser Tradition betrachtet werden. Bei der Aufstellung des Luftreinhalteplans lag jedoch der Schwerpunkt der fachlichen Beteiligung der Abteilung Klimatologie in den Beratungen der verkehrsbezogenen Maßnahmen, welche durch die Entwicklung der Stuttgarter Fahrgeschwindigkeitspyramide gekennzeichnet sind. Vorausgegangen war 1989 der spektakuläre Tempo-60-Versuch auf der Bundesstraße 10 im Neckartal.

Auf Veranlassung und finanziert vom ehemaligen Nachbarschaftsverband Stuttgart, dessen Aufgabe eine gemeinsame Flächennutzungsplanung der im Verband zusammengeschlossenen Gemeinden war, hat die Abteilung 1991 für das Verbandsgebiet und angrenzende Teile der Region eine umfangreiche Klimauntersuchung durchgeführt, deren Ergebnisse als Klimaatlas 1992 veröffentlicht wurden. Auch wenn nach Auflösung des Nachbarschaftsverbandes der Klimaatlas mit seinen Planungsempfehlungen seine ursprüngliche Bedeutung als gemeinsame Beratungsgrundlage zu den Planungsfaktoren Luft und Klima verloren hat, wird der Klimaatlas jedoch auch heute in Stuttgart und seinen Nachbargemeinden als wichtige Grundlagenuntersuchung verwendet, was insbesondere für die Mitarbeit der Abteilung beim Flächennutzungsplan-Verfahren Stuttgart 2005 gilt. Arbeitsmethoden und Ergebnisse bei der Erstellung des Klimaatlasses haben im übrigen die frühzeitige Beteiligung der Stadtklimatologen und die Berücksichtigung der stadtklimatischen Belange in allen Planungsphasen des Städtebauprojektes Stuttgart 21 ermöglicht.


DVD-ROM Stadtklima 21
Ein kleineres, jedoch nicht unbedeutendes Projekt bestand in der auf Messgutachten basierenden Begleitung des modellhaften Sanierungsvorhabens ehemalige Zuckerfabrik in Bad Cannstatt, wo unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Belange ein neues Gewerbegebiet entsteht - ein frühes Beispiel gelungenen Flächenrecyclings.

Den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit hat die Abteilung einerseits durch ihre Beiträge für die Veröffentlichungsreihe des Amtes, andererseits durch die Einspeisung von Daten der modernisierten Vielkomponentenmessstation Schwabenzentrum mit zusätzlichen Informationen in Großflächenanzeigetafeln an zwei Punkten der Stadt intensiviert, nicht zuletzt auch durch die Neuheit der oben schon erwähnten CD-ROM als Medium eines Stadtklima-Informationssystems (neue Version 5 als DVD-ROM). Vorträge im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Amtes spielten eine große Rolle bei den Veranstaltungen der IGA 93. Anlässlich der internationalen Fachtagung METTOOLS II des Arbeitsausschusses Umweltmeteorologie der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft in Stuttgart-Hohenheim im Sept. 1993 hat die Abteilung für die Tagungsteilnehmer eine viel beachtete stadtklimatische Rundfahrt durch Stuttgart durchgeführt, die auch heute noch für interessierte Besucher der Stadt einschließlich einer begleitenden Broschüre angeboten wird.

Seit 1992 berichtet die Abteilung Stadtklimatologie in der Form einer jährlichen Luftbilanz über den Zustand der Stuttgarter Stadtluft. Dabei wird auch Rechenschaft abgelegt über die Einhaltung lufthygienischer Zielwerte, die nach Entwicklung und auf Vorschlag der Abteilung vom Gemeinderat im Rahmen der Festlegung von Umweltqualitätszielen 1992 verabschiedet worden waren.

Kein Sachverhalt kennzeichnet die Entwicklung der lufthygienischen Verhältnisse im Rückblick besser als die Erinnerung an den ersten und einzigen Stuttgarter Smog-Alarm (Vorwarnstufe) im Januar 1982. Zum Jahresanfang 1997 konnte nun die für Stuttgart geltende Smogverordnung klassischen Zuschnitts aufgehoben werden, da die erforderlichen Auslösebedingungen für entsprechenden Smogalarm bei austauscharmen Wetterlagen nach menschlichem Ermessen nicht mehr erreicht werden.

Im Jahre 2002 wurden auf der Basis der Luftqualitätsrahmenrichtlinie der EU verschärfte Luftschadstoffgrenzwerte festgelegt. Sowohl für Feinstaub (PM10) als auch für NO2 sind diese Grenzwerte in Stuttgart überschritten. Daher ist ein Luftreinhalte- und Aktionsplan erforderlich. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat diesen Ende 2005 verabschiedet.

Abteilung Stadtklimatologie
Stand: Januar 2017


 
 

© Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz, Abt. Stadtklimatologie