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Achtzig Jahre Stadtklimatologie in Stuttgart (2018)



Entwicklung der Abteilung Stadtklimatologie im Amt f├╝r Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart


Messungen am Charlottenplatz
Das Arbeitsgebiet Stadtklimatologie muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass es sich dabei um ein in Stuttgart traditionsreiches T├Ątigkeitsfeld handelt, dessen Wurzeln im Jahr 2013 schon 75 Jahre zur├╝ckreichten. Im Jahre 1938 n├Ąmlich beschloss der Gemeinderat die Anstellung eines Meteorologen, um entsprechende Untersuchungen ├╝ber die klimatischen Verh├Ąltnisse Stuttgarts vornehmen zu lassen und ihre Beziehungen zum St├Ądtebau aufzuzeigen. Bereits damals wurde die Klimahygiene im St├Ądtebau als Mittel zur F├Ârderung und Erhaltung der Gesundheit der Stadtbewohner anerkannt.


Luftmesswagen
Die Untersuchungen der damals noch sehr kleinen "Klimatologischen Abteilung" des Chemischen Untersuchungsamtes umfassten in diesem Zusammenhang Klima-Parameter von f├╝nf Messstationen, Staubmessungen sowie Messungen der Sonnenstrahlung, um Aufschluss ├╝ber die Absorption, insbesondere der UV-Strahlung, durch Staubdunst zu erhalten. Nach kriegsbedingten Unterbrechungen der Arbeit und Zerst├Ârung von Unterlagen und Messger├Ąten ergab sich mit den Untersuchungen f├╝r den Generalbebauungsplan ein wichtiger Neuanfang. Dieser Generalbebauungsplan verf├╝gte ├╝ber einen f├╝r den Wiederaufbau Stuttgarts wichtigen Abschnitt zur Klimaplanung, in dem es u.a. um die st├Ądtebaulich bedingten Einfl├╝sse auf das Lokalklima, die M├Âglichkeiten der Frischluftzufuhr sowie um Trassierungs- und Standortfragen ging. Nach einer vor├╝bergehenden Aufhebung des Arbeitsgebietes zwischen den Jahren 1949 und 1951 ergab sich in der Folgezeit eine st├Ąndige Weiterentwicklung, die verst├Ąrkt Aufgaben des Immissionsschutzes und damit auch die L├Ąrmbek├Ąmpfung umfasste.

1975 wurde der erste auch heutigen Ma├čst├Ąben gerecht werdende Immissions-Messbericht ├╝ber Kohlenmonoxidmessungen des Jahres 1974 am Charlottenplatz erstellt, wobei erstmals die kraftfahrzeugbedingte Luftbelastung im Mittelpunkt stand.

Lange vor Inbetriebnahme des vom Land aufgebauten Luft├╝berwachungsnetztes hat die Abt. Stadtklimatologie Vielkomponenten-Luftmessungen an den Standorten Marienplatz (1977) und Stuttgart-Ost (1979) durchgef├╝hrt. Nach Beschaffung und Ausstattung eines Luftmesswagens konnten ab 1982 systematische, fl├Ąchendeckende Rastermessfahrten vorgenommen werden.


Schriftenreihe des AfU
Eine die Gesamtheit der Stuttgarter Stra├čen umfassende Verkehrsl├Ąrmkartierung konnte 1983 vorgelegt werden.

Es entsprach einer Tradition der Abt. Stadtklimatologie, dass die Ergebnisse von Messkampagnen in einer Schriftenreihe ver├Âffentlicht wurden, die bis zur Eingliederung ins neu gegr├╝ndet Amt f├╝r Umweltschutz (1988) insgesamt 9 Brosch├╝ren umfasste. Die neue Untersuchungsmethode der Infrarot-Thermographie erm├Âglichte "Daten und Aussagen zum Stadtklima von Stuttgart", die 1978 in den "Beitr├Ągen zur Stadtentwicklung" ver├Âffentlicht wurden und eine wichtige Beratungsgrundlage f├╝r den seinerzeit in Aufstellung begriffenen Fl├Ąchennutzungsplan 1990 darstellten.


Klimaatlas 1992
Mit der Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes von 1990 ergaben sich neue administrative Rahmenbedingungen: ┬ž 47 a BImSchG verpflichtet die Gemeinden zur L├Ąrmminderungsplanung. ┬ž 40 (2) BImschG er├Âffnet in Verbindung mit der 23. BImSchV Pr├╝fungsm├Âglichkeiten f├╝r verkehrsplanerische, verkehrslenkende oder verkehrsbeschr├Ąnkende Ma├čnahmen. Beide Entwicklungen forcierten die Durchf├╝hrung ambulanter Messprogramme, f├╝r die ein neuer Luft-Messwagen sowie ein kombinierter L├Ąrm-und Klima-Messwagen beschafft und ausgestattet wurden. Zu erw├Ąhnen ist hier vor allem auch die Einbeziehung der Benzol-Belastung bei Stra├čenmessprogrammen.

Die Vorschriften der Verkehrsl├Ąrmschutzverordnung (16. BImSchV) sowie die seit 1992 eingef├╝hrten Merkbl├Ątter f├╝r Luftverunreinigungen an Stra├čen (MLuS-92) f├╝hrten zur verst├Ąrkten Entwicklung und Anwendung numerischer Untersuchungsmethoden f├╝r Fragen der Immissionsprognose. Auch f├╝r den Bereich der Klimatologie kann gesagt werden, dass der zwischenzeitliche Auf- und Ausbau einer leistungsf├Ąhigen EDV zum wichtigsten Standbein der Abteilung Stadtklimatologie geworden ist. Ausdruck dessen ist die Entwicklung einer interaktiven CD-ROM mit Daten, Informationen und Berechnungsm├Âglichkeiten, die aus Anlass der f├╝r das Gro├čprojekt Stuttgart 21 durchgef├╝hrten klimatischen und lufthygienischen Untersuchungen unter dem programmatischen Titel "Stadtklima 21" von der Abteilung herausgebracht wurde.


Tempo-60-Versuch
Die auf mathematisch-physikalischen Modellen aufbauenden Immissionsprognosen erlangen insbesondere im Zusammenhang mit einer verst├Ąrkten Ber├╝cksichtigung der Kfz-Abgasbelastung in der Bauleitplanung Bedeutung, was im Ma├čnahmenteil des f├╝r Stuttgart 1990 vom Land aufgestellten Luftreinhalteplans gefordert wird. Im Rahmen der bauleitplanerischen Ma├čnahmen des Luftreinhalteplans kann die Einbeziehung der Stuttgarter Praxis der Verbrennungsverbote bzw. der Satzung ├╝ber die beschr├Ąnkte Verwendung luftverunreinigender Brennstoffe als Erfolg dieser Tradition betrachtet werden. Bei der Aufstellung des Luftreinhalteplans lag jedoch der Schwerpunkt der fachlichen Beteiligung der Abteilung Klimatologie in den Beratungen der verkehrsbezogenen Ma├čnahmen, welche durch die Entwicklung der Stuttgarter Fahrgeschwindigkeitspyramide gekennzeichnet sind. Vorausgegangen war 1989 der spektakul├Ąre Tempo-60-Versuch auf der Bundesstra├če 10 im Neckartal.

Auf Veranlassung und finanziert vom ehemaligen Nachbarschaftsverband Stuttgart, dessen Aufgabe eine gemeinsame Fl├Ąchennutzungsplanung der im Verband zusammengeschlossenen Gemeinden war, hat die Abteilung 1991 f├╝r das Verbandsgebiet und angrenzende Teile der Region eine umfangreiche Klimauntersuchung durchgef├╝hrt, deren Ergebnisse als Klimaatlas 1992 ver├Âffentlicht wurden. Auch wenn nach Aufl├Âsung des Nachbarschaftsverbandes der Klimaatlas mit seinen Planungsempfehlungen seine urspr├╝ngliche Bedeutung als gemeinsame Beratungsgrundlage zu den Planungsfaktoren Luft und Klima verloren hat, wird der Klimaatlas jedoch auch heute in Stuttgart und seinen Nachbargemeinden als wichtige Grundlagenuntersuchung verwendet, was insbesondere f├╝r die Mitarbeit der Abteilung beim Fl├Ąchennutzungsplan-Verfahren Stuttgart 2005 gilt. Arbeitsmethoden und Ergebnisse bei der Erstellung des Klimaatlasses haben im ├╝brigen die fr├╝hzeitige Beteiligung der Stadtklimatologen und die Ber├╝cksichtigung der stadtklimatischen Belange in allen Planungsphasen des St├Ądtebauprojektes Stuttgart 21 erm├Âglicht.


DVD-ROM Stadtklima 21
Ein kleineres, jedoch nicht unbedeutendes Projekt bestand in der auf Messgutachten basierenden Begleitung des modellhaften Sanierungsvorhabens ehemalige Zuckerfabrik in Bad Cannstatt, wo unter besonderer Ber├╝cksichtigung ├Âkologischer Belange ein neues Gewerbegebiet entsteht - ein fr├╝hes Beispiel gelungenen Fl├Ąchenrecyclings.

Den Bereich der ├ľffentlichkeitsarbeit hat die Abteilung einerseits durch ihre Beitr├Ąge f├╝r die Ver├Âffentlichungsreihe des Amtes, andererseits durch die Einspeisung von Daten der modernisierten Vielkomponentenmessstation Schwabenzentrum mit zus├Ątzlichen Informationen in Gro├čfl├Ąchenanzeigetafeln an zwei Punkten der Stadt intensiviert, nicht zuletzt auch durch die Neuheit der oben schon erw├Ąhnten CD-ROM als Medium eines Stadtklima-Informationssystems (neue Version 5 als DVD-ROM). Vortr├Ąge im Rahmen der ├ľffentlichkeitsarbeit des Amtes spielten eine gro├če Rolle bei den Veranstaltungen der IGA 93. Anl├Ąsslich der internationalen Fachtagung METTOOLS II des Arbeitsausschusses Umweltmeteorologie der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft in Stuttgart-Hohenheim im Sept. 1993 hat die Abteilung f├╝r die Tagungsteilnehmer eine viel beachtete stadtklimatische Rundfahrt durch Stuttgart durchgef├╝hrt, die auch heute noch f├╝r interessierte Besucher der Stadt einschlie├člich einer begleitenden Brosch├╝re angeboten wird.

Seit 1992 berichtet die Abteilung Stadtklimatologie in der Form einer j├Ąhrlichen Luftbilanz ├╝ber den Zustand der Stuttgarter Stadtluft. Dabei wird auch Rechenschaft abgelegt ├╝ber die Einhaltung lufthygienischer Zielwerte, die nach Entwicklung und auf Vorschlag der Abteilung vom Gemeinderat im Rahmen der Festlegung von Umweltqualit├Ątszielen 1992 verabschiedet worden waren.

Kein Sachverhalt kennzeichnet die Entwicklung der lufthygienischen Verh├Ąltnisse im R├╝ckblick besser als die Erinnerung an den ersten und einzigen Stuttgarter Smog-Alarm (Vorwarnstufe) im Januar 1982. Zum Jahresanfang 1997 konnte nun die f├╝r Stuttgart geltende Smogverordnung klassischen Zuschnitts aufgehoben werden, da die erforderlichen Ausl├Âsebedingungen f├╝r entsprechenden Smogalarm bei austauscharmen Wetterlagen nach menschlichem Ermessen nicht mehr erreicht werden.

Im Jahre 2002 wurden auf der Basis der Luftqualit├Ątsrahmenrichtlinie der EU versch├Ąrfte Luftschadstoffgrenzwerte festgelegt. Sowohl f├╝r Feinstaub (PM10) als auch f├╝r NO2 sind diese Grenzwerte in Stuttgart ├╝berschritten. Daher ist ein Luftreinhalte- und Aktionsplan erforderlich. Das Regierungspr├Ąsidium Stuttgart hat diesen Ende 2005 verabschiedet.

Abteilung Stadtklimatologie
Stand: September 2018


 
 

© Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz, Abt. Stadtklimatologie