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Die Bedeutung der Hanglagen für das Stadtklima in Stuttgart unter besonderer Berücksichtigung der Hangbebauung
Diplomarbeit von Frau Christine Fenn (2005)


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Zusammenfassung

Der Landschaftsraum ist prägend für die Lebensverhältnisse der Region Stuttgart. Die geologischen Formationen führen zu großen Höhenunterschieden auf kleinem Raum und einer ausgeprägten Reliefierung der Landschaft, die durch die Erosionskräfte der Oberflächengewässer weiter geformt wurde. Die Stuttgarter Innenstadt liegt im Nesenbachtal umgeben von einem fast geschlossenen Höhenkranz der bis zu 240 m über dem Talgrund aufragt.
Die intensive Flächennutzung und die damit verbundene Versiegelung durch den Menschen führt unter anderem zu Wärme- und Schadstoffemissionen.
Das regionale Klima wird durch diese Faktoren beeinflusst: Windarmut und der hohe Anteil versiegelter Flächen im Talkessel der Stuttgarter Innenstadt führen zu einer mangelnden Durchlüftung und damit verbunden zu einer verstärkten Wärmebelastung bis zu austauscharmen Wetterlagen mit hoher Luftbelastung. Bioklimatisch stellt das für die Einwohner der Stadt eine gesundheitlich Beeinträchtigung dar.
Für die Entlastung der klimatischen Situation im bebauten Talkessel sind die, durch das Relief unterstützten, kühleren und häufig lufthygienisch unbelasteten Kaltluftströme von den höher gelegenen unbebauten Flächen notwendig. Die Hauptbelüftung stellt der Talwind des Nesenbachtals dar. Durch die ausgeprägte Überwärmung und die zunehmende Bebauung des Stadtgebiets sind die kleinräumigen Hangabwinde, die Kaltluftabflüsse der Kesselränder, immer wichtiger geworden. Für Stuttgart fungieren die Hänge sowohl als Kaltluftabflussbahnen als auch als Ausgleichsraum, da der Anteil an unversiegelten Freiflächen noch relativ groß ist.
Die Geschichte Stuttgarts zeigt, dass die klimatische Situation bereits im 17 Jahrhundert problematisch war. Die Bebauung und Erschließung der Hänge fand erst ab Ende des 19. Jahrhunderts statt und unterlag besonderen städtebaulichen Grundsätzen. Sie wurde durch die Begrenzung der Bauhöhen, festgelegten Abstands- und Bauverbotsflächen an das Landschaftsbild angepasst und somit der für Stuttgart typische grüne Charakter der Randhöhen bis heute bewahrt.
Auch in der aktuellen Flächennutzungsplanung besteht die Zielsetzung diese Charakteristik der lockeren Einzelhausbebauung zu erhalten und ist im FNP als Kombination aus Wohnnutzung und sonstigen Grünflächen dargestellt. Da die verbindliche Bauleitplanung noch auf die Festsetzungen von 1935 beruht, kommt es heute durch Einzelfallentscheidungen für Bauvorhaben zunehmend zur Nachverdichtung an den Hängen. Damit verbunden sind Beeinträchtigungen für das Stadt- und Landschaftsbild, der Verlust hochwertiger Wohngebiete und innerstädtischer Erholungsflächen, zudem wird die wichtige klimatische Ausgleichsleistung der Hanglagen für den gesamten Talkessel zunehmend dezimiert.
Aus rechtlicher Sicht sind für die klimatischen Belange in der Planung einige Sicherungsinstrumente vorgesehen. Eine übergeordneten Betrachtung, die die Auswirkungen planerischer Entscheidungen in Bezug zum gesamten Stadtgebiet darstellt, wird im Baugesetzbuch durch die Strategische Umweltprüfung verlangt. Die zukünftige Entwicklung der Stuttgarter Hanglagen könnte ein Rahmenplan, als informelles Instrument, beinhalten. Detaillierte Festsetzungen für die Optimierung klimatisch beeinträchtigter Bereiche oder den Erhalt wertvoller Bestände auf der Ebene der verbindlichen Bauleitplanung gibt das Baugesetzbuch und das Naturschutzgesetz von Baden-Württemberg vor.
Im Vergleich zu anderen deutschen Städten kann Stuttgart auf ausführliche klimatische Grundlagenuntersuchungen zurückgreifen, die jedoch auch konsequent in der baulichen Entwicklung umgesetzt werden müssen. Die Beispiele Freiburg und Trier zeigen, dass die Sensibilität der Bürger für die klimatischen Belange sehr groß ist. Modellkonzepte für eine klimatisch sensible Nutzung der Hanglagen liegen außer in Form der Passivhaussiedlung in Ulm nicht vor.
Die detaillierte Betrachtung der einzelnen Hangabschnitte im Stuttgarter Talkessel zeigt hauptsächlich die Hangeinschnitte, die Klingen, als kleinräumige Kaltluftabflussbahnen mit thermisch ausgleichender Wirkung für den Hangfuß und den angrenzenden Talgrund. Es werden aber auch die Hanglagen lokalisiert, die durch bereits verdichtete Bebauung und das fehlende Einzugsgebiet an unbebauten Flächen, selbst wärmebelastet sind.
Damit die wichtigen klimatischen Funktionen der Stuttgarter Hanglagen für das gesamte Stadtgebiet aufrecht erhalten werden können, muss die Überwärmung verhindert und der Kaltluftabfluss in den Klingen durch entsprechende Maßnahmen optimiert werden. Dabei gehen die Zielsetzungen im Bereich Stadtklima mit der städtebaulichen Entwicklung der Ortsbausatzung meist Hand in Hand.

Es hat sich gezeigt, dass bei Entscheidungen der baulichen Weiterentwicklung der Hanglagen nicht nur der Einzelfall ausschlaggebend ist, sondern die Summenwirkung unbedingt berücksichtigt werden muss. Durch einen städtebaulicher Rahmenplan für die Hanglagen können die einzelnen Funktionen zusammengeführt und verortet werden und damit die Entwicklungsziele für das gesamte Gebiet formuliert werden.

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© Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz, Abt. Stadtklimatologie