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Fragen und Antworten zum Thema Luftreinhalteplan Stuttgart

Wo kann man sich ├╝ber die aktuellen Luftmesswerte informieren?
 
 
http://www.stuttgart.de/item/show/15638


http://mnz.lubw.baden-wuerttemberg.de/messwerte/aktuell/regD9NO2.htm

http://cgi.stadtklima-stuttgart.de/mirror/luftST.exe

http://cgi.stadtklima-stuttgart.de/mirror/l31dst.exe
 
 
Wer betreibt das Luftmessnetz in Baden-W├╝rttemberg?
 
Das Luft- und Radioaktivit├Ątsmessnetz Baden-W├╝rttemberg wird von der Landesanstalt f├╝r Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-W├╝rttemberg im Auftrag des Ministeriums f├╝r Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-W├╝rttemberg betrieben. Als oberste Immissionsschutzbeh├Ârde ist damit das Land Baden-W├╝rttemberg f├╝r Messverfahren, Standortwahl, Sicherstellung geeigneter Randbedingungen, Ger├Ąte├╝berpr├╝fung etc. zust├Ąndig. Nach Angaben der LUBW entsprechen die Mess- und Bewertungskonzepte den aktuellen technischen und gesetzlichen Standards einschlie├člich anerkannter Qualit├Ątssicherung.
 
 
Gibt es Kriterien f├╝r die Auswahl der Messstandorte?
Erf├╝llt die Messstation Stuttgart Am Neckartor diese Kriterien?
 
Sowohl gro├čr├Ąumige als auch lokale Standortkriterien der Probenahmestellen f├╝r Messungen von Stickoxiden, Partikeln, Benzol etc. in der Luft sind in der 39. Verordnung zur Durchf├╝hrung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (39. BImSchV), Anlage 2 (bis August 2010 22. BImSchV) geregelt. F├╝r die Probenahmestellen f├╝r den Verkehr wird dort u. a. ausgef├╝hrt, dass diese mindestens 25 m von gro├čen Kreuzungen und mindestens 4 m von der Mitte des n├Ąchstgelegenen Fahrstreifens entfernt sein sollten.
Diese Vorgaben sind an der Probenahmestelle Stuttgart Am Neckartor erf├╝llt. Zur Untersuchung der Repr├Ąsentativit├Ąt dieser Messstelle wurden in den Jahren 2005/2006 von der Landesanstalt f├╝r Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-W├╝rttemberg im Bereich ÔÇ×Am NeckartorÔÇť an mehreren Messpunkten Vergleichsmessungen durchgef├╝hrt. Es zeigte sich, dass die an der derzeitigen Messstelle erfassten Ergebnisse f├╝r die dortigen Verh├Ąltnisse repr├Ąsentativ sind.
 
 
Sind Fahrverbote gerechtfertigt? Kann an der Messstation Stuttgart Am Neckartor die Feinstaubbelastung durch die Verringerung der Fahrzeuge mit roter und gelber Plakette nachweislich gesenkt werden?
 
Von der die Landesanstalt f├╝r Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-W├╝rttemberg durchgef├╝hrte Ursachenanalysen, die auch im Internet unter
www.lubw.baden-wuerttemberg.de
oder www.stadtklima-stuttgart.de zu finden sind, weisen wiederkehrend f├╝r die untersuchten Messstationen im Stadtgebiet von Stuttgart den Stra├čenverkehr als eindeutigen Hauptverursacher der hohen Luftschadstoffbelastungen aus. Insofern ist es geboten, durch Ma├čnahmen auch auf eine Minderung der Auspuffemissionen zu setzen.
Die Daten der Messstation Stuttgart Am Neckartor zeigen seit einigen Jahren eine deutliche Abnahme der Feinstaubjahresbelastung (Langzeitbelastung). Seit dem Jahr 2011 wird der Grenzwert f├╝r die Feinstaublangzeitbelastung an der Messstation Stuttgart Am Neckartor eingehalten. Die Anzahl der ├ťberschreitungstage des Feinstaubkurzzeitgrenzwertes zeigt ebenfalls einen r├╝ckl├Ąufigen Trend mit j├Ąhrlichen witterungsbedingten Schwankungen. Der Feinstaubkurzzeitgrenzwert kann aber noch nicht eingehalten werden (Stand 2015). Da zur Verbesserung der Feinstaubbelastung neben den Fahrverboten der Umweltzone f├╝r Fahrzeuge mit roten und gelben Plaketten weitere Ma├čnahmen eingef├╝hrt wurden (z.B. niedrigere Tempolimits) ist eine eindeutige Quantifizierung der Reduktion der Feinstaubbelastung durch die Fahrverbote nur schwer bestimmbar. Berechnungen der LUBW zeigen, dass die Fahrverbote f├╝r Fahrzeuge mit roten und gelben Plaketten zu ca. 8% zur Reduktion der Feinstaubbelastung auf das heutige Niveau beitragen.
 
 
Welches ist die h├Ąufigste Windrichtung im Bereich der Messstation Stuttgart Am Neckartor?
 
Die mit Abstand h├Ąufigste Windrichtung im Bereich ÔÇ×Am NeckartorÔÇť ist S├╝dwest, also entlang der B 14.
 
 
Sind Baumaschinen und Baufahrzeuge plakettenpflichtig? Ist zu bef├╝rchten, dass ├ťberschreitungen der Immissionsgrenzwerte im Bereich der Messstation Stuttgart Am Neckartor ausschlie├člich von der Bauma├čnahme Stuttgart 21 hervorgerufen werden?
 
Baumaschinen fallen nicht unter die Kennzeichnungsverordnung und m├╝ssen demzufolge keine dort festgelegten Vorgaben erf├╝llen. Unabh├Ąngig davon ist die Forderung m├Âglichst geringer Staubemissionen bei einem Baustellenbetrieb - insbesondere bei Gro├čbaustellen - als Ma├čnahme im Luftreinhalte-/Aktionsplan f├╝r Stuttgart verankert. Dies betrifft nicht nur den Betrieb von Baumaschinen, sondern auch die Arbeitsmethoden. Baustellenfahrzeuge dagegen m├╝ssen die jeweils g├╝ltigen Vorgaben f├╝r das Befahren der Umweltzone erf├╝llen.
Angesichts der bisher registrierten Anzahl und H├Âhe der ├ťberschreitungen an der Messstelle Stuttgart Am Neckartor ist nicht davon auszugehen, dass zuk├╝nftige ├ťberschreitungen ma├čgeblich durch Baustellenstaub verursacht sein k├Ânnten.
 
 
Welche Schadstoffe machen in Stuttgart Probleme?

In Stuttgart gibt es nicht nur ├ťberschreitungen der Grenzwerte f├╝r Feinstaub. Auch bei Stickstoffdioxid treten erhebliche ├ťberschreitungen auf. Seit Anfang 2010 sind nur noch 18 ├ťberschreitungen im Jahr des Stundenwertes von 200 ┬Ág/m┬│ zul├Ąssig. Diese Anzahl wurde beispielsweise in den Jahren 2013 und 2014 mit 63 bzw. 36 ├ťberschreitungen an der Messstation Am Neckartor deutlich ├╝berschritten. Zus├Ątzlich ist seit 2010 ein NO2- Jahresmittelwert von 40 ┬Ág/m┬│ g├╝ltig. Dieser Grenzwert wird an den verkehrsbeeinflussten Messstationen in Stuttgart aktuell nicht eingehalten.
 
 
Was sind die Quellen f├╝r Feinstaub in Stuttgarts Stra├čen?
 
Folgende Quellen wurden in Stuttgart als Verursacher der Feinstaubkonzentrationen in der Au├čenluft identifiziert (Quelle: LUBW, Luftreinhaltepl├Ąne f├╝r Baden-W├╝rttemberg Grundlagenb├Ąnde 2012 und 2013):

- Stra├čenverkehr
- Industrie
- Kleinfeuerungen inkl. Hausheizungen
- Offroadfahrzeuge und sonstige Quellen

Nicht der gesamte Feinstaub wird in unmittelbarer N├Ąhe des Ortes an dem er wirkt auch produziert. Unterschiedlich gro├če Anteile werden von Quellen in der n├Ąheren oder weiteren Entfernung emittiert und ├╝ber klein- oder gro├čr├Ąumige Luftverfrachtungen herantransportiert (z.B. durch Ferntransport). Abh├Ąngig von der Entfernung des Entstehungsortes unterscheidet man:

- Lokale Belastung (bis ca. 100 m Umkreis)
- St├Ądtische Hintergrundbelastung (bis ca. 15 km Umkreis)
- Gro├čr├Ąumige Hintergrundbelastung (15 bis > 10.000 km Umkreis). 

Folgende Grafik soll diesen Sachverhalt verdeutlichen:


Die Emissionsbeitr├Ąge durch die lokale Belastung, die st├Ądtische Hintergrundbelastung und die gro├čr├Ąumige Hintergrundbelastung sind f├╝r die beiden Luftschadstoffe Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaubpartikel (PM10) sehr unterschiedlich. Diesen Sachverhalt verdeutlichen die folgenden beiden Abbildungen. Dargestellt sind die Immissionsbelastungen f├╝r NO2 und PM10 an der beiden Stra├čenmessstation Stuttgart-Am Neckartor. Der Standorte ist stark vom ├Ârtlichen Stra├čenverkehr beeinflusst (Am Neckartor: >75.000 Fahrzeuge/Tag).

Entsprechend den Auswertungen der LUBW wurden im Jahr 2013 Am Neckartor 45 % der PM10-Belastung durch lokale Quellen hervorgerufen, 28 % stammten aus der st├Ądtischen Hintergrundbelastung und 27 % wurden aus gr├Â├čerer Entfernung herantransportiert. Die NO2-Belastung an der Messstation ÔÇ×Stuttgart-Am NeckartorÔÇť wird zu 58 % von lokalen Quellen, zu 35 % vom st├Ądtischen Hintergrund und zu 7 % von Quellen in gr├Â├čerer Entfernung verursacht.

Was aus den Abbildungen ebenfalls deutlich ersichtlich ist, ist die Tatsache, dass der Stra├čenverkehr an dem Standort die mit Abstand gr├Â├čte Quelle f├╝r die PM10 ÔÇô und NO2- Belastung ist, wobei der Einfluss des Stra├čenverkehrs auf die NO2-Belastung noch h├Âher ist als auf die PM10-Belastung. Am Neckartor tr├Ągt der Stra├čenverkehr zu mehr als 47 % zur PM10-Belastung bei und setzt sich zusammen aus lokalem Stra├čenverkehr (36 %), st├Ądtischem Stra├čenverkehr in gr├Â├čerer Entfernung (9 %) und einem nicht n├Ąher quantifizierbaren Anteil des Stra├čenverkehrs, verursacht durch Ferntransport aus dem gro├čr├Ąumigen Hintergrund. Zur NO2-Belastung tr├Ągt der Stra├čenverkehr Am Neckartor zu mehr als 72 % bei und setzt sich zusammen aus lokalem Stra├čenverkehr (53 %), st├Ądtischem Stra├čenverkehr in gr├Â├čerer Entfernung (19 %) und einem nicht n├Ąher quantifizierbaren Anteil des Stra├čenverkehrs, verursacht durch Ferntransport aus dem gro├čr├Ąumigen Hintergrund.

Die weiteren Quellgruppen Industrie/ Gewerbe und Kleinfeuerungen spielen entgegen manchen ├äu├čerungen, die in diesem Zusammenhang get├Ątigt werden, an Stuttgarts Stra├čenmessstationen nur eine geringe Rolle.



Warum werden die Feinstaubmesswerte nicht tagesaktuell ver├Âffentlicht?

Das ist bedingt durch die Mess- und Auswertemethode in Baden-W├╝rttemberg. Die Stadt hat das Land aufgefordert, parallel mit anderen Methoden zu messen, um eine tagesaktuelle Information zu gew├Ąhrleisten. Dies wird mittlerweile auch an vielen Stationen gemacht. Die tagesaktuellen Messwerte werden jedoch nicht ver├Âffentlicht, um eventuell auftretende Diskrepanzen zwischen den kontinuierlichen Messwerten (nicht ver├Âffentlicht) und den diskontinuierlichen Messwerten (ver├Âffentlicht) erkl├Ąren zu m├╝ssen.


Gelten die Fahrverbote in der Umweltzone Stuttgart auch f├╝r Oldtimer?

Antwort auf diese Frage erhalten Sie auf folgender Internet-Seite der Stadt Stuttgart:
http://www.stuttgart.de/feinstaub#headline560176e24f7a3


Was tut Stuttgart, um die Luftschadstoff-Grenzwerte einzuhalten?

Das zust├Ąndige Regierungspr├Ąsidium Stuttgart hat einen Luftreinhalte-/Aktionsplan vorgelegt, der jedoch nicht geeignet ist, die Grenzwerte einzuhalten. Nach einem Rechtsgutachten von Prof. Rehbinder ist in diesem Fall die Stadt gefordert, mit weitergehenden Ma├čnahmen die Grenzwerte einzuhalten. Inzwischen hat das Regierungspr├Ąsidium Stuttgart den Aktionsplan zur Minderung der PM10- und NO2-Belastungen fortgeschrieben, welcher im Februar 2010 ver├Âffentlicht wurde. Da auch mit dieser Fortschreibung des Luftreinhalte-/Aktionsplans die Grenzwerte noch nicht ├╝berall in Stuttgart eingehalten werden k├Ânnen, erarbeitet das Regierungspr├Ąsidium Stuttgart aktuell eine neue Fortschreibung, welche 2017 umgesetzt wird.


Geht es in Zusammenhang mit Feinstaub und Umweltplaketten um unn├Âtigen Aktionismus?

Das Ziel ist durch europaweit g├╝ltige Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit klar formuliert und auch nicht diskutabel. Die Frage ist, wann und wie es in Stuttgart erreicht werden kann, auch angesichts der Tatsache, dass seit dem 01.01.2010 versch├Ąrfte Grenzwerte f├╝r Stickstoffdioxid gelten, die in Stuttgart auch nach derzeitigem Stand entlang vielbefahrener Verkehrswege noch deutlich ├╝berschritten werden.


Gibt es in der Landeshauptstadt Stuttgart (wieder) ein Lkw-Durchfahrtsverbot?
 
Ab dem 1. M├Ąrz 2010 wurde f├╝r die Landeshauptstadt Stuttgart wieder ein Lkw-Durchfahrtsverbot angeordnet.
 
 
Wie ist der Stand der Umsetzung der Ma├čnahmen des Luftreinhalte-/ Aktionsplanes Stuttgart?

Der aktuelle Stand ist in der "Ma├čnahmentabelle" einzusehen.
 
 
Welche Ma├čnahmen werden diskutiert, aber nicht in den Luftreinhalte- plan aufgenommen?


kurzfristig:

   ÔÇó  generelles Fahrverbot im Sinne Smogalarm (immissionsabh├Ąngig)
   ÔÇó  Sperrung einzelner Stra├čen f├╝r LKW
   ÔÇó  Einengung von Stra├čen zur Verkehrsreduktion
   ÔÇó  sofortige Umr├╝stung aller SSB-Busse (ggf. auf Erdgas)
   ÔÇó  Verwendung von Basaltsplitt statt Kalksplitt als Streumittel
   ÔÇó  raschere Splittentfernung
   ÔÇó  F├Ârderung des Gasantriebs

l├Ąngerfristig:

   ÔÇó  Handel mit Fahrlizenzen f├╝r LKW
   ÔÇó  City-Maut (verschiedene Ans├Ątze m├Âglich)
   ÔÇó  Nahverkehrsabgabe f├╝r alle Fahrzeuge



Lassen die bisher umgesetzten Ma├čnahmen eine Wirkung auf die Luftschadstoffbelastung erkennen?

Die Landesanstalt f├╝r Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-W├╝rttemberg (LUBW) hat in Rahmen zweier Untersuchungen im Sommer 2006 und im Sommer 2007 festgestellt, dass durch das LKW-Durchfahrtsverbot keine Reduzierung der an den Messstationen ermittelten Werte erkennbar ist. Wir konnten allerdings anhand eigener Untersuchungen (Verkehrsz├Ąhlungen, Geschwindigkeitsmessungen, Berechnungen der Emissionen und Ausbreitungssimulationen) feststellen, dass das LKW-Durchfahrtsverbot auf einer stark befahrenen Strecke im Stadtgebiet (Bundesstra├če 14) eine Reduktion der PM10- und NOx-Emissionen in der Gr├Â├čenordnung von 8 bis 9 % bewirkt hat.

Nach Aussagen der Landesanstalt f├╝r Umwelt Baden-W├╝rttemberg (LUBW) ist bei der Betrachtung der Feinstaub-Tagesmittelwerte kein Effekt durch die Verstetigung des Verkehrsflusses am Neckartor nach dem 1.9.2005 erkennbar. Bei Stickstoffdioxid ist an der Messstation Hohenheimer Stra├če ein deutlicher R├╝ckgang der Stickstoffdioxidjahresmittelwerte seit dem Jahr 2013 nach Einf├╝hrung des Tempolimits Tempo 40 stadtausw├Ąrts zu beobachten. Dieser R├╝ckgang wird ├╝berwiegend mit dem durch die Temporeduzierung verbesserten Verkehrsfluss erkl├Ąrt.

Die Wirkung der umgesetzten Ma├čnahmen auf die Luftschadstoffbelastung messtechnisch nachzuvollziehen, ist schwierig. U. a. f├╝hren witterungsbedingte Einfl├╝sse zu deutlichen zwischenj├Ąhrliche Schwankungen. So sind g├╝nstige meteorologische Austauschbedingungen durch st├Ąrkere Verd├╝nnung und verbesserten Abtransport der Luftverunreinigungen mit deutlich verringerten Luftbelastungen verbunden. ├ťblicherweise in den Wintermonaten auftretende, lang anhaltende stabile meteorologische Bedingungen (Inversionswetterlagen) bewirken eine Erh├Âhung der Luftbelastungen.


Kann ein Staubsauger am Stra├čenrand die Feinstaub-Probleme von verkehrsgeplagten Kommunen l├Âsen?

Mit viel Aufmerksamkeit wurde ein Feldversuch in Ludwigsburg verfolgt. Mit Pilotanlagen testete Filterbauer Mann + Hummel, ob sich seine station├Ąre Luftreinigung auch in der Praxis bew├Ąhrt.

Der Filterhersteller aus Ludwigsburg hat in Kooperation mit der Kirchheimer Lufttechnik-Firma Keller einen station├Ąren Staubsauger entwickelt. Dust-Clean hei├čt das mannshohe Ger├Ąt, das bis zu 4000 Kubikmeter Luft pro Stunde ansaugt und durch feine Filter leitet.

F├╝r den Versuch hat die Landesanstalt f├╝r Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) nahe ihres Feinstaub-Messpunkts in Ludwigsburg Anlagen installiert, um die Wirkung der Feinstaubsauger zu verfolgen. Sie wertete auch die Ergebnisse des Testlaufs aus. F├╝r den fl├Ąchendeckenden Einsatz freilich ist Dust-Clean wohl kein Allheilmittel: Der Ansaugradius betr├Ągt nur 20 Meter, der Preis wird auf 30.000 Euro pro Exemplar gesch├Ątzt.

Der Test verlief negativ.


Sind Speditionen vom LKW-Durchfahrtsverbot besonders betroffen?

Der Verband Spedition und Logistik Baden-W├╝rttemberg fordert die Aufhebung des pauschalen Durchfahrtsverbots f├╝r Lkw in Stuttgart zugunsten eines emissionsbezogenen Durchfahrtsverbots. Die implizit erhobenen Vorw├╝rfe der ├╝berm├Ą├čigen Belastung und der Ungleichbehandlung der Verbandsmitglieder treffen jedoch nicht zu:

Das Durchfahrtsverbot f├╝r Lkw (Anlieger frei) im Stadtgebiet Stuttgart ab 2006 ist eine allgemeine Regelung, die die Spediteure wie alle Lkw-Nutzer betrifft. Das Fahrverbot gilt f├╝r alle Lkws unabh├Ąngig von ihrer Gewichtsklasse und von ihrem Schadstoffaussto├č. Es soll schnell eine Minderung der PM10 Belastung im Stadtgebiet Stuttgart bewirken. Da f├╝r die PM10 Belastung durch Kfz der Schadstoffaussto├č nur zu 1/3 daneben aber der ReifenÔÇô Brems- und Kupplungsabrieb, der Abrieb des Stra├čenbelags und die Wiederaufwirbelung zu 2/3 urs├Ąchlich sind, w├Ąre ein emissionsbezogenes Durchfahrtsverbot f├╝r Lkw weniger wirksam als das bestehende generelle Durchfahrtsverbot und deshalb weniger geeignet.

Soweit die Spediteure mit ihren Lkws innerhalb des Stadtgebiets eine Adresse anfahren, sind sie als Anlieger vom Fahrverbot ausgenommen. In ihrer Gewerbeaus├╝bung sind sie also nicht eingeschr├Ąnkt. Dar├╝ber hinaus gilt f├╝r sie das Durchfahrtsverbot wie f├╝r andere Lkw. Eine st├Ąrkere Belastung der Spediteure als anderer Lkw-Nutzer besteht also nicht.


Tragen Holz├Âfen zur Feinstaubbelastung bei?

Nach vom Umweltbundesamt ver├Âffentlichten Zahlen zu den bundesweiten Feinstaubemissionen emittiert der Verkehr j├Ąhrlich 22700 Tonnen Feinstaub, die kleinen Holzfeuerungen in Haushalten und im Kleingewerbe 24000 Tonnen. Daraus wird dringender Handlungsbedarf bei den Holzfeuerungen abgeleitet.

Zweifellos macht es Sinn, vermeidbare Emissionen zu reduzieren. Holzheizungen emittieren ein Vielfaches an Feinstaub gegen├╝ber Erdgas und Heiz├Âl. Andererseits verbrennt Holz quasi CO2-neutral, was dem globalen Klimaschutz zugute kommt.

F├╝r lokale Ma├čnahmen in kommunalen Luftreinhalte-/ Aktionspl├Ąnen ist die Situation jedoch differenzierter zu betrachten. Durchaus m├Âglich ist, wie die ZEIT berichtet, dass in Schweizer Bergd├Ârfern trotz nahe gelegener Autobahn der Feinstaub aus den vielen Holzfeuerungen gerade im Winter die Belastung im Ort dominiert.

Gem├Ą├č dem Luftreinhalte-/ Aktionsplan Stuttgart emittiert der Verkehr in Stuttgart j├Ąhrlich 131 Tonnen Feinstaub, w├Ąhrend die Kleinfeuerungsanlagen 39 Tonnen emittieren, also deutlich weniger. Stra├čennah sind die Verh├Ąltnisse dort, wo Luftschadstoffgrenzwerte ├╝berschritten sind, noch anders. Am Neckartor z. B. wird die Feinstaubbelastung zu > 47 % vom Stra├čenverkehr und nur zu 21 % von kleinen und mittleren Feuerungsanlagen bestimmt. Dies untermauert die Notwendigkeit, den Ma├čnahmenschwerpunkt im Verkehrsbereich anzusetzen.

Wegen der hohen Feinstaubemissionen bei Festbrennstoffheizungen im Vergleich beispielsweise zu Gas- und ├ľlheizungen macht es im Rahmen der Ma├čnahmenplanung trotzdem Sinn, ├╝ber ein sogenanntes Verbrennungsverbot nachzudenken. Ma├čnahme 33 im Stuttgarter Aktionsplan sieht dies vor. Die hohen Energiepreise und die Risiken der Abh├Ąngigkeit von den Gaslieferanten k├Ânnen zu einem verst├Ąrkten Interesse an Festbrennstoffheizungen f├╝hren. Die Gewerbeaufsicht berichtete von Stuttgarter Firmen, die aus Kostengr├╝nden auf Kohlefeuerungsanlagen umstellen m├Âchten. Dieser Trend k├Ânnte langfristig zu einer Verschiebung der Verursacheranteile auch an den stark befahrenen Stra├čen f├╝hren.


Wie ist der Sachstand zur Gesetzgebung Luftreinhaltung in Br├╝ssel?

Am 10. Dezember 2007 beschloss das Europ├Ąische Parlament eine Novellierung der Gesetzgebung zur Luftqualit├Ąt. Der Verabschiedung gingen langwierige Verhandlungen mit der Europ├Ąischen Kommission und dem Rat voraus, wobei eine Entsch├Ąrfung der geltenden Grenzwerte f├╝r Luftschadstoffe - wie Ozon, Stickstoffdioxid und vor allem Feinstaub ÔÇô vermieden werden konnte. Neu hinzugekommen sind Begrenzungen f├╝r Feinststaubpartikel PM2,5 (Feinstst├Ąube - Feinstaubpartikel mit weniger als 2,5 Mikrometer Durchmesser). Diese haben zum Ziel, die Belastung durch PM2,5 bis zum Jahr 2020 um bis zu 20 Prozent zu reduzieren. Seit Januar 2015 ist ein PM2,5-Jahresmittelwert von 25 ┬Ág/m┬│ einzuhalten. Allerdings sieht die neue Luftqualit├Ąts- Richtlinie nun vor, dass die Grenzwert erst drei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Richtlinie ├╝berall in Europa eingehalten werden muss. Bei massiver ├ťberschreitung der Grenzwerte, so wie es in Stuttgart der Fall ist, sollte jedoch keine Zeit vertan werden um wirksame Ma├čnahmen zur Reduzierung der Emissionen und damit einhergehend der Immissionen zu erzielen.


Sind St├Ądte wie Stuttgart mit der Umsetzung der Luftreinhalte- regelungen der EU ├╝berfordert?

Aufgrund der Kessellage ist es in Stuttgart besonders schwierig, die Luftschadstoffgrenzwerte einzuhalten. Das m├Âgliche Minderungspotential h├Ąngt jedoch alleine von der politischen Abw├Ągung und der Frage der Verh├Ąltnism├Ą├čigkeit von Ma├čnahmen ab.


Sind die Bem├╝hungen zur Reduzierung der Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung in Stuttgart kurzfristiger Aktionismus?

Die Luftqualit├Ątsrahmenrichtlinie der EU gibt es seit 1996, die Tochterrichtlinie mit den Grenzwerten f├╝r Feinstaub und Stickstoffdioxid seit 1999. Die Umsetzung in nationales Recht erfolgte 2002. F├╝r die Entwicklung von Ma├čnahmen bis zum Inkrafttreten der Feinstaubgrenzwerte am 01.01.2005 war somit genug Zeit, so dass von kurzfristigem Aktionismus keine Rede sein kann.


Was muss bei den Ma├čnahmen zur Luftreinhaltung oberste Priorit├Ąt haben?

Langfristig wichtigstes Ziel muss sein, Ma├čnahmen an der jeweiligen Quelle zu ergreifen. Im Verkehrssektor geh├Âren dazu weitere technische Verbesserungen an den Fahrzeugen und eine Versch├Ąrfung der EU-Abgasnormen. Auch der Umstieg auf alternative Kraftstoffe, insbesondere Erdgas, kann die Belastung deutlich senken.


Sind generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen zur Senkung der Feinstaubbelastung geeignet?

Ein Gutachten des B├╝ros Lohmeyer, Karlsruhe, stuft die lufthygienische Wirkung von Geschwindigkeitsbeschr├Ąnkungen im gesamten Stadtgebiet als gering bis kontraproduktiv ein. Allerdings kann festgehalten werden, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen durchaus positive Auswirkungen auf das Emissionsverhalten haben k├Ânnen, wenn damit eine Vergleichm├Ą├čigung und Verstetigung des Verkehrs erreicht wird. Und somit Stop&Go-Verkehr vermieden wird. Bez├╝glich der L├Ąrmminderung und verkehrspolitisch spielen Geschwindigkeitsreduktionen eine Rolle. Geschwindigkeitsreduktionen im Kfz-Verkehr bedeuten f├╝r die Reisezeiten mit dem ├ľPNV einen Vorteil und k├Ânnen so zu einem ver├Ąnderten Modal Split f├╝hren.


Auch andere Quellengruppen als der Verkehr tragen zur Feinstaub- belastung bei. Wird es in Stuttgart wieder ein Verbrennungsverbot geben?

Kleine und mittlere Feuerungsanlagen f├╝r Festbrennstoffe sind neben dem Stra├čenverkehr Hauptursache der Feinstaubbelastung in Deutschland. Die Verordnung ├╝ber kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) gibt die Rahmenbedingungen daf├╝r vor. Unzureichend aus Sicht der Luftreinhaltung ist, dass f├╝r Altanlagen gro├čz├╝gige ├ťbergangsfristen bestehen. Seit Mitte Februar 2017 ist die Nutzung sogenannter Komfort-Kamine, das sind Kamine oder Kamin├Âfen, die eher der Behaglichkeit als der W├Ąrmeerzeugung dienen, w├Ąhrend Feinstaubalarm in Stuttgart gesetzlich verboten. Grunds├Ątzlich vom Feinstaubalarm ausgenommen sind Wohnungen, die ausschlie├člich mit solchen Kamin├Âfen beheizt werden.


Wie ist das Verh├Ąltnis Feinstaub in Wohnungen zu Feinstaub in der Au├čenluft?

Die Konzentration an Feinstaub ist im Freien oft niedriger als in Innenr├Ąumen. Das ergaben Untersuchungen von Landesbeh├Ârden und eine Studie des Deutschen Allergie und Asthmabundes. Nach dieser Studie lag in jeder dritten untersuchten Wohnung die Feinstaubbelastung ├╝ber 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Dieser Grenzwert darf im Freien an 35 Tagen im Jahr ├╝berschritten werden. Nach einer Untersuchung in Berlin war die Konzentration in Schulr├Ąumen im Mittel doppelt so hoch wie in der unmittelbaren Umgebung der Schulen in der Au├čenluft. Ein Vergleich von Au├čen- und Innenluft ist unabh├Ąngig von dem Belastungsverh├Ąltnis jedoch nicht zielf├╝hrend, da f├╝r die Au├čenluft verbindliche Grenzwerte vorgeschrieben sind, die eingehalten werden m├╝ssen und f├╝r Innenr├Ąume bisher nicht. Arbeitspl├Ątze sind hiervon ausgenommen.


Gibt es in Stuttgart ein Informationssystem, um an kritischen Tagen vor hoher Belastung zu warnen?

Voraussetzung f├╝r ein Informationssystem sind tagesaktuelle Luftmessdaten und tagesaktuelle Witterungsprognosen. Die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg haben in Zusammenarbeit mit der LUBW und dem Deutschen Wetterdienst im Herbst 2015 den Feinstaubalarm auf den Weg gebracht. Mit diesem Informations- und Warnsystem werden die Bürgerinnen und Bürger und die Besucherinnen und Besucher der Stadt Stuttgart an kritischen Tagen im Vorfeld über zu erwartende hohe Belastungen informiert. Nähere Informationen zum Feinstaubalarm finden Sie unter: http://www.stuttgart.de/feinstaubalarm.
Unter folgender Internetadresse können die aktuellen Feinstaubwerte am Neckartor nachgeschaut werden: http://www.mnz.lubw.baden-wuerttemberg.de/messwerte/s-an/s-an.htm.


F├╝hren die Ma├čnahmen des Luftreinhalte-/Aktionsplanes Stuttgart zu Nachteilen f├╝r die Bev├Âlkerung?

Fahrverbote bringen lufthygienische Vorteile. Nachteile sind nicht zu erwarten, da Versorgungsfahrzeuge (Krankenwagen, Feuerwehr, Versorgung mit G├╝tern etc.) Ausnahmegenehmigungen bekommen. Detailinformation zu Ausnahmegenehmigungen finden Sie unter:
http://www.stuttgart.de/feinstaub#headline56017edd593e8


Welche Wirkungen haben die Ma├čnahmen des Luftreinhalte-/ Aktions- planes Stuttgart auf Arbeitspl├Ątze, Wirtschaft und Handwerksbetriebe?

Aussagen zu Arbeitsplatzeffekten sind wegen der Vernetzungen und Verkn├╝pfungen in der Wirtschaft nicht m├Âglich. Auswirkungen auf Wirtschaft und insbesondere Handwerksbetriebe sind vermutlich gering, da die Art und der Umfang der beschlossenen Ausnahmegenehmigungen sehr gro├čz├╝gig gew├Ąhlt wurde. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Wirtschaftsstandort Stuttgart sind durchaus auch positiv zu sehen. Die Ma├čnahmen dienen dem Schutz der Gesundheit. F├╝r qualifizierte Arbeitspl├Ątze spielt die Umweltqualit├Ąt eine gro├če Rolle. Eventuelle Nachteile werden auch z. B. durch Fahrzeugumr├╝stungen, den Umstieg auf andere Verkehrsmittel sowie durch die Beschleunigung von technischen Innovationen aufgewogen. Diese Effekte sind ebenfalls nicht detailliert zu beziffern.


In verschiedenen St├Ądten werden bzw. wurden Versuche durchgef├╝hrt oder ├╝berlegt, die Feinstaubsituation durch Nassreinigung und Kehren von Stra├čen zu verbessern. Gibt es solche ├ťberlegungen auch in Stuttgart?

Das Institut f├╝r Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen und das Institut f├╝r Siedlungswasserbau, Wasserg├╝te und Abfallwirtschaft der Universit├Ąt haben gemeinsam von November 2006 bis M├Ąrz 2007 einen Versuch zur Minderung der Feinstaubbelastung im Bereich des Neckartors durch den Einsatz einer Kehrmaschine mit Feinstaubfiltertechnik durchgef├╝hrt. Der Versuch wurde vom AWS durch die Bedienung einer Kehrmaschine, die f├╝r diesen Zweck angemietet wurde, unterst├╝tzt. Die Auswertung der aufw├Ąndig durchgef├╝hrten Untersuchungen lie├čen keinen positiven Effekt der Nassreinigung der Stra├čen auf die PM10-Immissionen im Nahbereich der Messstationen erkennen. Die Reinigung von Stra├čen hat sich somit bisher nicht als wirkungsvoll im Kampf gegen zu hohe PM10-Konzentrationen erwiesen.


Welche Ausnahmegenehmigungen von den geplanten Fahrverboten sind vorgesehen?

Antwort auf diese Frage erhalten Sie auf folgender Internet-Seite der Stadt Stuttgart:
http://www.stuttgart.de/feinstaub#headline56017edd593e8


Welcher Bev├Âlkerungsgruppe geh├Âren die Autos mit schlechten Abgaswerten?

Eine statistische Erfassung und Zuordnung ist aus Datenschutzgr├╝nden nicht m├Âglich.



 
 

© Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz, Abt. Stadtklimatologie